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Neue Behandlungsmethoden bei Bruxismus, Zähne knirschen

Die wichtigsten Therapien bei Zähneknirschen Von Gerlinde Gukelberger-Felix Jeder zweite Deutsche tut es gelegentlich, jeder fünfte sogar regelmäßig: Zähneknirschen ist eine Volkskrankheit. Verschiedene Behandlungsmethoden können helfen, den Kahlschlag der Zähne zu verhindern. Ein Überblick. Was kann der Zahnarzt diagnostisch machen? Der Zahnarzt sollte zunächst abklären, ob Beschwerden wie Muskelverspannungen oder Schmerzen im Bereich des Ohrs tatsächlich auf Zähneknirschen zurückzuführen sind. "Die diagnostische Zuordnung von Schmerzen und anderen Symptomen zu deren Ursachen ist ein mehrstufiger Prozess", sagt Oliver Ahlers, Leiter des CMD-Zentrums in Hamburg-Eppendorf. Zunächst muss der Zahnarzt andere Schmerzursachen im Bereich der Zähne, der Mundschleimhaut und des Zahnfleisches ausschließen. Im nächsten Schritt kann er eine sogenannte klinische Funktionsanalyse machen. Dabei untersucht er, ob eine Fehlfunktion, die mit dem Kiefer zu tun hat, die Schmerzen verursacht und ob der Kiefer überlastet ist. Bei einer Überlastung tastet der Mediziner anschließend die Kaumuskulatur ab und kontrolliert, ob und welche Geräusche das Kiefergelenk produziert. Der Zahnarzt überprüft zudem, wie sich der Unterkiefer bewegt und zu welchen Zahnkontakten es kommt. "Wenn nötig, werden Kaumuskulatur und Kiefergelenke noch unter strukturierter Belastung untersucht", so Ahlers. Zahnmodelle können neben der Stellung der Kiefer auch festhalten, wie die Zähne beim Kauen zueinander stehen. Der Zahnmediziner spricht von instrumenteller Funktionsanalyse. Welche Therapiemaßnahmen gibt es? Im ersten Teil des Artikels wurden Aufbissbehelf und Okklusionsschiene sowie Physiotherapie und progressive Muskelentspannung erwähnt. Die Physiotherapie mit Lockerungs- und Dehnungsübungen kann direkt auf die Kaumuskulatur einwirken. "Außerdem kann sie gestauchte Kiefergelenke entlasten und verkürzte Gelenkkapseln dehnen. Und sie trägt dazu bei, den Einfluss einer überlasteten Haltehilfsmuskulatur im Nackenbereich auf die Anspannung der Muskulatur im Kauorgan zu reduzieren", sagt Ahlers. Da Stress häufig zumindest eine der Ursachen für das Zähneknirschen ist, rät Ahlers zudem zur progressiven Muskelentspannung für zu Hause. Indem die Betroffenen dabei Muskeln gezielt und in einer bestimmten Reihenfolge anspannen, können sie Verspannungen auch in stressigen Zeiten vermeiden. "Die progressive Muskelentspannung bringt tagsüber Entspannungspausen, die sich nachts positiv auswirken", bestätigt der Psychologe Hans-Jürgen Korn von der Schön Klinik Roseneck. Zur Muskelentspannung könne auch Biofeedback beitragen, sagt Korn. Dabei handelt es sich um ein verhaltenstherapeutisches Verfahren, bei dem körperliche Funktionen wie die Muskelaktivität erfasst und dem Patienten optisch oder akustisch zurückgemeldet werden. Die Geräte können zum Beispiel nachts Alarm schlagen, wenn das Knirschen beginnt. "Biofeedback ist insbesondere für Patienten geeignet, bei denen sich die Intensität des Knirschens durch die Okklusionsschiene nicht verringert und bei Patienten, die an der craniomandibulären Dysfunktion leiden", sagt Korn. Therapieoptionen für besondere Fälle Seit mehr als zehn Jahren wird von einigen Zahnmedizinern auch ein bakterielles Gift eingesetzt, um die Muskelaktivität zu verringern. Das Botulinumtoxin, kurz Botox, ist vor allem als Faltenglätter bekannt. Für die Anwendung beim Zähneknirschen ist es nicht direkt zugelassen, es handelt sich um einen sogenannten Off-Label-Use. "Durch die Injektion in den Muskel wird dieser weicher, und seine Kraft ist reduziert. Für Patienten, die an schwerem Bruxismus leiden und heftige und schmerzhafte Muskelverspannungen haben, bedeutet dies eine große Erleichterung für drei bis sechs Monate", sagt Bodo Hoffmeister, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kieferchirurgie und Plastische Gesichtschirurgie an der Charité in Berlin. Ahlers ist zurückhaltend: "Botulinumtoxin kann lediglich die Möglichkeit des Muskels verringern, sich zusammenzuziehen", sagt er. Hinzu kommt, dass der behandelnde Arzt aufgrund des Off-Label-Einsatzes für eventuelle Nebenwirkungen haftet; auch übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für den Einsatz nicht. Bei den privaten Krankenkassen lohnt sich möglicherweise das Nachfragen. Die Kosten für eine Behandlung belaufen sich auf etwa 400 Euro. In manchen Fällen kann auch eine Psychotherapie sinnvoll sein, um belastende Ereignisse aus früheren Lebensphasen aufzuarbeiten und dadurch den eigenen Stresspegel zu senken. Bei Patienten mit Schmerzen ist es zudem wichtig, eine Chronifizierung mit Schmerzmitteln zu verhindern. "Allerdings dürfen die Medikamente nur über eine begrenzte Zeit eingenommen werden, da sie andernfalls ihre Wirkung verlieren", warnt Ahlers. Darüber hinaus ist es wichtig, dass der Betroffene sensibler für auch tagsüber auftretende Phasen des Pressens und Knirschens wird. Wer sich selbst beobachtet, wird sich vielleicht dabei ertappen, dass er in manchen Situationen die Zähne aufeinander presst. Bereits durch diese Selbstbeobachtung kann man die Häufigkeit des Pressens und Knirschens verringern. Welche Kosten übernimmt die Krankenkasse? Physiotherapie darf der Zahnarzt nach dem Wirtschaftlichkeitsgebot verordnen, ohne dass wirklich klar gesagt wird, was das heißt. Die gesetzliche Krankenkasse bezahlt den Aufbissbehelf und die Okklusionsschiene. Bei Letzterer müssen die Patienten aber mit selbst zu bezahlenden Zusatzkosten für sämtliche funktionsdiagnostischen Untersuchungen und Maßnahmen rechnen. Die Kosten für die Funktionsdiagnostik variieren von Patient zu Patient und sind abhängig von den Ursachen und dem Schweregrad der Beschwerden. Auch die Kosten für das Botulinumtoxin werden nicht übernommen. Bei Biofeedback, progressiver Muskelentspannung und auch bei der Psychotherapie sollte man die Kostenfrage im Einzelfall mit der Krankenkasse abklären. © SPIEGEL ONLINE 2013